Maximilian

In diesem Beitrag möchte ich über meine ersten Monate in einer australischen Schule berichten. Vor kurzem habe ich mich mal durch die Artikel der anderen Blog-Autoren gelesen, und da ist mir sofort ein Satz von Maja zum australischen Schulsystem ins Auge gefallen:

Im Vergleich zum deutschen Schulsystem lernen die Kinder hier wirklich Dinge, die sie interessieren und die sie in ihrem späteren Beruf weiterbringen“.

Den Satz (aus diesem Beitrag) kann ich nur unterschreiben und kann die Aussage auch bestätigen: das australische Schulsystem stellt die Interessen des Schülers in den Mittelpunkt. Das Ganze fängt schon bei der Fächerwahl an. Es macht wirklich viel mehr Spaß, wenn man sich ab der Oberstufe nur noch mit sechs Fächern beschäftigt, dann aber richtig. Anstatt in 14 Fächern Themen immer nur anzureißen, kann man hier – wenn man sich darauf einlässt – sehr tief in die Themen eintauchen. So zum Beispiel hat man für Biologie wöchentlich nicht nur zwei Schulstunden Zeit, sondern meist über sechs pro Woche. Das Plus an Zeit ermöglicht dann auch wöchentliche Exkursionen zum Strand, um sich dort dann die Biodiversität der Küstenregion um Noosa anzusehen.

Auch ein viel wissenschaftlicheres Arbeiten ist möglich. So mussten wir in Australien schon nach vier Wochen einen 2.000 Wörter Bericht über ein von uns gewähltes Thema der Meeresbiologie schreiben. Das war eine gute Übung, um das richtige Zitieren von Textstellen oder das Evaluieren von Statistiken und Forschungsergebnissen zu lernen oder auch so einfache Dinge wie das Strukturieren eines wissenschaftlichen Artikels. Am Anfang war ich mit der Aufgabe schon etwas überfordert. Immerhin sollten es 2.000 Wörter auf Englisch werden. Aber auch hier waren wieder alle Australier sehr freundlich und hilfsbereit. Neben Meeres-Biologie habe ich auch noch die praktischen Fächer „Furnishing“ (Einrichtung) und „Engineering“ (Technik) gewählt. Beide haben das Ziel, dem Schüler praktische Fähigkeiten im Umgang mit Werkzeug oder Schweißgerät zu vermitteln, also ganz klar Dinge, die einen im Leben weiterbringen.

Genau deshalb habe ich diese Fächer auch gewählt. So bauen, schweißen und feilen wir in Engineering zum Beispiel gerade ein Auto zusammen. Ja, richtig gelesen, ein AUTO, mit dem wir am Ende auch noch ein Rennen gegen andere australische Schulen fahren, die das gleiche Projekt haben. Was in Deutschland unmöglich scheint, ist in Australien völlig normal. Damit das ganze auch sicher abläuft, wird natürlich nicht jedem International ein Schweißgerät in die Hand gedrückt, noch wird er mit gefährlichen Maschinen in Berührung gebracht. Wer etwas praktisch machen möchte, muss vorher erst einmal die Theorie verstanden haben. Deshalb haben wir Internationals, die Engineering gewählt haben, uns die letzten Wochen durch zahlreiche Texte gelesen, Videos angesehen und Tests geschrieben. Bis man dann endlich an sein erstes Werkstück darf, ein sehr kleines Metallstück, um mit dem genauen Abmessen, Feilen und Bohren vertraut zu werden. Nach den ersten zwei Monaten stehen wir jetzt endlich vor unseren ersten Schweißversuchen. Im anderen praktischen Fach „Furnishing“ ging es da schon etwas schneller. Schon nach wenigen Stunden haben wir alle unser Holz zurechtgeschnitten und arbeiten jetzt an einem kleinen Wandschrank. Auch hier kommt man wieder in Berührung mit vielen scheinbar unbekannten Werkzeugen wie bspw. dem Holzmeißel, mit dem wir hier viel arbeiten. Und heute kann ich sagen, es war die völlig richtige Entscheidung diese Fächer zu wählen. Gerade mir als Segelflieger bringt es sehr viel, den Umgang mit Holz oder Metall zu erlernen. Denn auf einem Flugplatz gibt es immer etwas zu reparieren, und oft braucht man dann auch das Schweißgerät.

Trotz all dem Spaß gibt es aber auch die verpflichtenden Fächer: Englisch und Mathe. Dabei ist der Englisch-Unterricht stark an uns Internationals angepasst. Wir sind zusammen eine große Klasse und behandeln anstatt Shakespeares Hamlet, Gedichte der indigenen Dichterin Oodgeroo Noonuccal. Dazu kommen dann noch gelegentliche Sprech- und Schreibtrainings, welche einen Australier natürlich unterfordern würden. Unterfordert ist man im australischen A-Kurs Mathe (höheres Niveau) auf keinen Fall, der Lehrer behandelt hier Aufgabe für Aufgabe in einem ordentlichen Tempo.

Ich habe mal meinen (deutschen) Mathelehrer gefragt, ob sich die Themen aus unserem Unterricht mit denen aus Deutschland überschneiden. Dabei habe ich herausgefunden, wir behandeln schon jetzt die Kernthemen der 11. Klasse in Deutschland und stoßen mit den verketteten Funktionen schon in die Oberstufe vor. Für mich ist das eigentlich sogar eine Erleichterung, weil ich die Themen sonst in Eigenarbeit nachholen müsste. Doch auch hier gilt, wenn man mal etwas nicht versteht, ist das kein Problem, die Lehrer helfen gerne und es gibt sogar kostenlose Nachhilfe, einmal wöchentlich. Nach zehn Wochen australischer Schule freue ich mich jetzt aber schon auf die Frühlingsferien, denn auch die australische Schule kann anstrengend sein. Doch bei all dem überwiegt eigentlich der Spaß, etwas Neues zu lernen, das man gebrauchen kann. Um zur These am Anfang zurück zu kommen: ich kann nur sagen, der Besuch einer australischen Schule bringt mich/dich weiter. Es gibt so viele verschiedene Fächer, so dass jeder nach seinen Interessen etwas findet und auf jeden Fall auch neben dem Englisch noch etwas fürs Leben lernt.

Maximilian ist für ein Jahr an der Sunshine Beach State High School in Noosa, Sunshine Coast, Queensland

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