Es ist wirklich verrückt, wie schnell die Zeit vergeht. Mittlerweile bin ich seit ungefähr fünf Monaten hier in Australien und würde es inzwischen sogar als mein zweites kleines Zuhause bezeichnen. Ich liebe mein Leben hier und genieße jeden einzelnen Tag sehr. Von meiner Bucketlist, die ich am Anfang meiner Zeit hier geschrieben und immer weiter ergänzt habe, konnte ich schon viele Punkte abhaken. All das wäre ohne die Unterstützung meiner Freunde hier, meiner Gastfamilie und natürlich meiner Familie zu Hause, die mir dieses Auslandsjahr überhaupt erst ermöglicht, nicht machbar gewesen. Dafür bin ich unglaublich dankbar.
In den letzten Monaten ist viel passiert. Ich war bei einem Rugbyspiel, was definitiv einen hohen Stellenwert auf meiner Bucket List hatte, habe beim Riverfire-Event in Brisbane Feuerwerke über der Story Bridge gesehen, den Australia Zoo besucht und sowohl Kängurus als auch Koalas streicheln dürfen. Außerdem habe ich umliegende Orte wie Maleny und Montville erkundet.
In den Herbstferien habe ich eine Reise ins Northern Territory unternommen, was zu einem meiner absoluten Highlights bisher gehört. Zehn Tage lang sind wir mit einem Reisebus durch das Outback gereist, von Darwin bis hinunter zum Uluru, auch bekannt als Ayers Rock. Auf dieser Reise konnten wir in beeindruckenden Wasserfällen schwimmen, unter dem Sternenhimmel schlafen, springende Krokodile sehen, viel über die australische Geschichte lernen und viele neue Menschen kennenlernen. Diese Tour empfehle ich wirklich jedem, der die Möglichkeit dazu hat, da sie ein außergewöhnliches und einmaliges Erlebnis ist.
Ein weiteres Highlight war ein Trip für Internationals der Caloundra State High School nach Lady Elliot Island. Drei Tage lang konnten wir schnorcheln und die Unterwasserwelt bestaunen. Wir haben Schildkröten, Rochen, Krabben, unzählige Fische und sogar Haie gesehen. Zurück in Caloundra ging es gleich spannend weiter. Ich habe an einem Fundraising-Lauf in Noosa teilgenommen, einen Tauchkurs absolviert und bin nun stolze Besitzerin eines Tauchscheins, den ich in den nächsten Wochen definitiv nutzen werde. Außerdem war ich bei einem Pferderennen, habe den Mount Ngungun bestiegen, um dort den Sonnenuntergang zu sehen, und durfte noch viele weitere besondere Momente erleben. Wenn ich an all das zurückdenke, kann ich manchmal selbst kaum glauben, was ich hier schon alles erlebt habe – und dass das gerade wirklich mein Leben ist.
Neben all diesen Erlebnissen ist mir in letzter Zeit etwas ganz besonders bewusst geworden: Warum dieses Auslandsjahr eine der besten Entscheidungen meines Lebens war. Und das sind ganz eindeutig die Menschen. Die Freundschaften, die ich hier mit Menschen aus der ganzen Welt schließen konnte, bedeuten mir unglaublich viel. Auch wenn die Abschiede schwerfallen, weil einige schon wieder nach Hause gereist sind, weiß ich, dass sich unsere Wege vielleicht irgendwann wieder kreuzen werden. Durch diese Freundschaften lerne ich nicht nur Australien, sondern auch so viele andere Länder und Kulturen kennen, zum Beispiel Japan, Brasilien, Chile oder Norwegen. Natürlich kommt dabei auch die australische Kultur nicht zu kurz. Immer wieder merke ich, wie offen und interessiert die Menschen hier sind, wodurch viele schöne Gespräche entstehen. Das hat mir geholfen, über mich selbst hinauszuwachsen und sicherer im Small Talk zu werden, auch auf Englisch.
Sport spielt eine sehr große Rolle in meinem Leben und Australien ist dafür einfach perfekt. Eines der Dinge, die ich hier besonders liebe, ist der Lifestyle. Früh aufzustehen, um eine Runde spazieren zu gehen, oder um drei Uhr morgens für den Sonnenaufgang mit dem Fahrrad zum Strand zu fahren, gehört einfach dazu. Mein Fahrrad ist hier zu meinem besten Freund geworden. Auch wenn ich den Bus nehmen könnte, bin ich mit dem Fahrrad viel flexibler und sehe gleichzeitig mehr von der Umgebung. Das einzige Problem ist, dass Caloundra unglaublich hügelig ist. Eine eigentlich kurze Fahrt zum Supermarkt oder zu einer Freundin wird schnell zu einer kleinen Trainingseinheit.
Außerdem habe ich mit einer Freundin angefangen, Tennis zu spielen. Zusätzlich zu unserer wöchentlichen Tennisstunde treffen wir uns oft im Park, um ein bisschen zu üben. In der Schule spiele ich Volleyball und gehe ab und zu surfen, auch wenn an meinen Surfskills definitiv noch gearbeitet werden muss. Und all das natürlich zusätzlich zu meinem Schwimmtraining. Ich bin Leistungsschwimmerin und trainiere etwa acht Mal pro Woche, meist vor und nach der Schule. Die Bedingungen sind hier wirklich sehr gut. Ich habe einen tollen Schwimmclub, eine super Trainingsgruppe, engagierte Trainer und eine Sportanlage direkt in Schulnähe. Außerdem habe ich viel Freiheit, mir meine Trainingswoche selbst einzuteilen. Es werden bis zu zehn Trainingseinheiten pro Woche angeboten und ich kann entscheiden, wie ich mir das am besten einteile, sodass genug Zeit für andere Dinge bleibt. In nächster Zeit stehen außerdem die Queensland Championships an, an denen ich teilnehmen werde. Ich bin sehr gespannt, wie das laufen wird.
Wir sind inzwischen schon im Dezember, und damit hat auch hier die Weihnachtszeit begonnen. Auch wenn draußen 30 Grad und Sonnenschein sind, habe ich langsam richtig Weihnachtsstimmung bekommen. Vor allem das gemeinsame Plätzchenbacken mit Freunden, das Schauen von Weihnachtsfilmen und die liebevoll dekorierten Häuser haben dazu beigetragen. Besonders beeindruckt haben mich die vielen Community-Events. Es gibt Weihnachtsmärkte mit singenden Chören, gebrannten Mandeln und Weihnachtsmusik, Weihnachtsfeste mit Open-Air-Kino, bei denen zum Beispiel der Film Elf gezeigt wurde, sowie die Carols. Überall singen Menschen gemeinsam, und es entsteht eine ganz besondere warme Stimmung. Ich finde es unglaublich schön, die vielen Familien zu sehen, die mit Decken, Snacks und Weihnachtsoutfits auf den großen Rasenflächen sitzen und diese Zeit einfach gemeinsam genießen.
Dieses Jahr werde ich Weihnachten zusammen mit meiner Gastfamilie an der Gold Coast verbringen. Hier ist der Weihnachtstag erst am 25. Dezember und damit anders als in Deutschland. Silvester werde ich dann in Sydney feiern, gemeinsam mit meinen Eltern, die mich besuchen kommen. Das ist gleichzeitig der Beginn unserer gemeinsamen Reise durch Australien. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt auf alles, was noch kommen wird – auf die neuen Erfahrungen, die ich machen darf, auf das, was ich dazulernen werde, und auf die neuen Freundschaften, die entstehen. Ich möchte versuchen, aus allem das Beste herauszuholen. Denn genau das ist etwas, das ich hier gelernt habe: Jeder Tag kann ein guter Tag sein, wenn man das Beste daraus macht.
Nora
























